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Einige von Euch mögen sich darüber gewundert haben, daß das Blog arg geschrumpft ist. Der Grund ist einfach … und kompliziert zugleich, deshalb beschränke ich mich auf eine sehr grobe Kurzfassung:
Bisher wurden meine Garnrezensionen aufgrund meines Freiberufler-Status als journalistische Artikel betrachtet. Das war geklärt, vereinbart und kein Problem. Die Sache ändert sich allerdings nun ganz allgemein (die Hintergründe sind etwas kompliziert, und ich erspare Euch daher die Einzelheiten), und Reviews werden künftig definitiv und ohne Grauzone sowohl steuer- als auch suchmaschinenrechtlich denselben Wert haben wie gemietete Werbeflächen – und würden also eine gewerbliche Tätigkeit darstellen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Blogger das Garn selbst kauft, um zu rezensieren, oder ob es ihm gestellt wird. (Seid also bitte auch mit Euren eigenen Blogs vorsichtig, wenn Ihr Garne vorstellt oder einen Shop oder einen Designer empfehlt).

Also werden alle Rezensionen und PDFs so schnell wie möglich aus diesem Blog entfernt.

Es tut mir sehr leid, denn ich weiß, daß viele von Euch auch nach längerer Zeit Angaben in den Rezensionen nachschlagen, aber ich kann es nicht ändern.
Die letzten Rezensionen werden ein paar Tage noch online bleiben, um Herrn Görge nicht zu benachteiligen. Danach werden auch diese gelöscht. Ob ich das Blog überhaupt noch online lasse, überlege ich noch – denn ohne diese Artikel ist es ein eher mageres und wenig aussagekräftiges Blögchen.

Ich weiß, Ihr seid enttäuscht. Auch wenn es Euch kein Trost ist: Ich bin es auch.

ONline Linie 353 Varese

Die Tage werden kälter und die Garne dicker.
Varese vermittelt vom ersten Augenblick an das Bild eines Garns, das man mit gemütlichen Abenden in der Berghütte assoziieren möchte. Das Knäuel ist fest, warm, wirkt solide und sportlich zugleich.
Der Faden aus mittellangen Farbverläufen ist unterschiedlich verzwirnt: mal so locker wie ein Dochtgarn, mal enger und runder wie ein Mouliné-Garn. In der Grundstruktur aber überwiegt die lockere Verzwirnung, wodurch bestimmte Anschlagarten erschwert werden.
Trotz der variablen Fadendicke und –zusammenfügung ist die Arbeit angenehm und unproblematisch. Dies liegt nicht zuletzt an der Zusammensetzung aus 53 % Schurwolle und 47 % Polyacryl, die beinahe für ein Allzweckgarn stehen könnte. Die Nadelstärkenempfehlung von 7 bis 8 mm ist bei einer Lauflänge von 70 m/100 g etwas hochgegriffen. Die unten gezeigten Pröbchen wurden mit NS 6 und 6,5 mm angefertigt, was der relativ geringen Fadenelastizität ausreichend Rechnung trägt. Dank des Kunstfaseranteils ist Varese beim Ribbeln trotz der normalerweise empfindlichen Verzwirnung strapazierfähig und zeigt kaum Spuren – auch wenn fest gestrickt wurde.
Das Strickergebnis erinnert optisch und haptisch an die Norweger-Parodien der 80er Jahre und ist daher geschlechts- und altersneutral. Der erste Eindruck eines alltagstauglichen, unkomplizierten und unprätentiösen sportlichen Materials bestätigt sich. Varese eignet sich vor allem für schlichte Muster und Maschenbilder, die nicht mit den Farbwechseln kollidieren und diese unterstützen können. Letztlich stehen Festigkeit und Volumen im Mittelpunkt, was das Garn auch anfängertauglich macht.
Varese ist ein energisches, resolutes und dynamisches Garn und daher in erster Linie ein Partner für fröhliche und selbstbewußte Outdoor-Modelle.
Für den Preis von 3,95 € ist es im Shop von Trendgarne zu finden. Die Farbpalette ist klein und etwas ungleichmäßig aufgebaut. Die dunkle Positionierung ermöglicht allerdings eine flexible Nutzung für dicke Jacken, Mäntel, Loops oder Pullover.

Wer Pröbchen möchte … Ihr wißt, wie es geht ;-)

Probe 1: NS 6 und 6,5 mm

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Probe 2: Patentmuster

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Probe 3: Schachbrettmuster über 3 Maschen

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Probe 4: Schnürzopf

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Probe 5: Perlmuster (kleinere Probe)

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Meine Meinung:

ONline Linie 349 New Port

Passend zu den ersten kühlen Herbsttagen darf ich Euch dank Herrn Görge von Trendgarne New Port vorstellen.
Die Optik des Knäuels ist ungewöhnlich und macht neugierig. Von einem Faden im eigentlichen Sinne kann man nicht wirklich sprechen: Tatsächlich ergibt die Verzwirnung eine „gehäkelte” Kette, die dem Material ein knautschiges Volumen verleiht. Die so entstehenden Luftpolster bilden eine Art Klimakammern, die Wärme einschließen und feuchtigkeitsausgleichend wirken. So ist die Haptik des Knäuels im ersten Moment weich und trocken-warm.
New Port ist ein Farbverlaufsgarn mit sehr langen und gleichmäßig verteilten kürzeren Rapporten, die als Akzente fungieren, ohne daß das Farbenspiel zu unruhig oder aufdringlich wird.
In der Zusammensetzung sucht das Garn mit einer Mischung aus 45 % Alpaka, 45 % Wolle und 10 % Polyamid nach einer Verbindung zwischen hochwertigen Materialien und ausreichender Strapazierfähigkeit.
Die Nadelstärkenempfehlung von 7 bis 8 mm ist angesichts der Fadenbreite einerseits verständlich, andererseits aber bei einer Lauflänge von 100 m/50 g kritisch zu betrachten. Verständlich ist das Bestreben, die luftige Struktur der Kette und damit die klimatischen Grundeigenschaften des Garns aufrechtzuerhalten, und den Faden nicht zu zerdrücken. Gegen eine so hohe Nadelstärke spricht allerdings die sehr große Elastizität dieser Fasermischung. Bei einem durchschnittlichen Strickverhalten erscheint ein Nadelstärkenbereich von 5 bis 6 mm als durchaus ausreichend.
Die Arbeit ist angenehm und flüssig, allerdings zeigt sich hierbei der hohe Alpaka-Anteil, und das Garn flust deutlich. Der Faden erholt sich nach dem Ribbeln zudem nur bedingt und zeigt sich je nach Muster und Spannung reichlich geknickt.
Das Maschenbild dürfte Anhänger und Gegner finden: Einige werden es als lebendig und ungewöhnlich empfinden, andere als ungleichmäßig und ein wenig struppig. Es verleiht dem Gestrick einen lässigen, jugendlichen und eher naturverbundenen Charakter, der sich auch bei der Haptik wiederfindet. Nach dem Waschen ist die Oberfläche erstaunlicherweise nicht mehr ganz so weich, wie es am Knäuel der Fall war: Die feinen Härchen werden sozusagen aufgescheucht, richten sich auf, was sie ein wenig drahtig macht.
Eine Muster-Empfehlung kann diesmal nicht pauschal ausgesprochen werden, denn die Farbe spielt hier eine große Rolle. In einigen der 7 Varianten werden etwa Lochmuster besser herauskommen, andere wiederum werden mit Strukturmustern besser harmonieren. In diesem konkreten Fall ist die Oberflächenbeschaffenheit nicht der entscheidende Faktor. Die Farbpalette ist aus 7 Farben zusammengestellt, bei denen die Farbverläufe zwar immer Ton-in-Ton ausgearbeitet sind, jedoch unterschiedlich kontrastieren, ist gut gewählt, wenn auch klein, und für Damen-, Herren- und Kindermodelle gut geeignet.
New Port ist ein Garn für Outdoor-Strickteile wie Ponchos, Jacken, lange Schals und verspielte Mützen. Es ist ein modernes Produkt, das für modische Strickprojekte und sichere Hingucker eingesetzt werden kann. Zu kaufen ist es im Shop von Trendgarne für den Preis von 5,50/50 g.

Wer Pröbchen möchte … Ihr wißt, wie es geht ;-)

Der Faden

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Probe 1: NS 5 und 5,5

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Probe 2: Muster 4 aus den “Alten deutschen Piqué-Mustern”. Die Datei hierzu kann HIER heruntergeladen werden.

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Probe 3: Muster L13 aus den “Alten deutschen Lochmustern”. Die Datei hierzu kann HIER heruntergeladen werden.

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Probe 4: Falsches Patentmuster

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Probe 5: Muster L30 aus den “Alten deutschen Lochmustern”. Die Datei hierzu kann HIER heruntergeladen werden.

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Meine Meinung:

STECKBRIEF
Nina Schweisgut
Das geniale Schnellstricker-Buch
40 schöne Ideen für Dich und Dein Zuhause
2014 beim blv-Verlag erschienen
Hardcover, 144 Seiten, 70 farbige Abbildungen, 40 Illustrationen
ISBN: 978-3-8354-1288-0
Preis in Deutschland: 16,99 € [Österreich 17,50 €, Schweiz CHF 21,90]

DIE IDEE
Wer kennt das nicht? Man hat ein freies Wochenende, gerade Lust, zu stricken, aber keine Zeit für ein umfangreiches Projekt. Oder man braucht auf die Schnelle ein Strickgeschenk. Was könnte man da stricken, das schnell fertig, nützlich und hübsch ist?
Solche Ideen für die kleine Strickpause zwischendurch verspricht „Das geniale Schnellstricker-Buch“.

DAS BUCH
Tatsächlich handelt es sich um ein Buch, das in erster Linie jugendliche Strickanfänger interessieren dürfte.

Die ersten 35 Seiten stellen in Bild und Text auf übersichtlichem Raum die wichtigsten Strickgrundtechniken zusammen: Maschenanschlag, rechte und linke Maschen, Hin- und Rückreihen, verschränkte Maschen, Randmaschen, verkürzte Reihen, Ab- und Zunahmen, Umschläge, Fadenwechsel, Abketten, Maschenproben und Nähte, und sogar kleine Pannenhilfen werden in knapper Form auf je einer Seite erklärt. Fotos unterstützen den Text – wobei sie vielleicht manchmal ein wenig zu klein sind, um wirklich der Veranschaulichung zu dienen. Letztlich sollen sie dem absoluten Anfänger lediglich als Verständnishilfe für den Text dienen und nicht diesen ersetzen.
Dieser Textteil sollte nicht als Kompendium betrachtet werden, sondern als Starthilfe für Menschen, die noch nie gestrickt haben.

Die 40 Strickideen sind dann in zwei Teile gegliedert: „My Style“ und „My Life“.
Als sehr positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass das Buch künftigen und jungen Strickerinnen zeigt, dass Strick wirklich alles kann, dass in Strick alles möglich ist: Kleidung von Kopf bis Fuß – im wörtlichsten Sinn, denn von Stirnband über Beanies, Jacken, Pullover, Schals, Capes, Cowls, Stulpen und Handschuhe … bis hin zu Socken und Hausschuhen ist im Kapitel „My Style“ alles dabei. Auch Mode-Schmuck, Haarschleifen, Taschen und (in „My Life“) Wohnaccessoires vom Wohnzimmer über Küche, Schlafzimmer und Garten bis ins Bad fehlen nicht. In dieser Hinsicht ist es pädagogisch sehr gelungen, denn es wird junge Menschen motivieren, auf der Grundlage der gezeigten Modelle eigene Ideen zu entwickeln und eigene Experimente durchzuführen.
Ein ebenfalls sehr lobenswerter Aspekt dieses Buchs ist, dass es deutlich macht, dass Stricken nicht bei Wolle aufhört und auch sehr moderne Auslegungen der Maschen möglich sind. Die verwendeten Materialien beziehen mehrere Qualitäten von Schurwollen, luxuriöse bis preiswerte Faser-Mischungen und Baumwollmaterialien, aber auch Natur-Bast ein.
Trendiger Grobstrick ist genau so ein Thema wie sehr filigrane Garne, Modelle mit Öko-Touch genauso wie elegantere und modische Ideen.
Die gewählten Modelle sind alle sehr einfach strukturiert und dürften also selbst bei sehr ungeübten und sehr jungen Strickerinnen zu einem belohnenden Erfolgserlebnis führen – sozusagen „mit Geling-Garantie“.

Der Aufbau der Anleitung ist immer gleich.
Die linke Spalte zeigt unter der Überschrift „Auf einen Blick“ die Größen und Abmessungen des Modells, das verwendete Material und gibt die Maschenprobe an. Unter „An die Nadeln, fertig, los“ befindet sich der Anleitungstext, der immer so knapp und übersichtlich wie möglich gehalten wird. Verweise auf Techniken, die im ersten Buchteil dargestellt wurden, werden peinlich genau in Klammern angegeben, so dass nicht gesucht werden muss, wo denn nun bloß man den entsprechenden Lehrgang gesehen hatte. Auch dahingehend spricht das Buch sicher vor allem junge Strickerinnen an. Schnittzeichnungen sind auch enthalten.
In der unteren linken Spalte befinden sich oft Tipps, die gerade die Schwierigkeiten berücksichtigen, die junge Strickanfänger haben könnten.
Modelle, die sich in besonders kurzer Zeit anfertigen lassen, sind mit einem lustigen Wecker Schnellstrickerbutton gekennzeichnet, wie man es von einigen Kochbüchern kennt.

KRITIK
Ein unwillkürliches „na ja …“ entlocken die Überschriften, Untertitel, Einleitungstexte und die lebenden Kolumnentitel. Sie sind bemüht, künstlich werbend, manchmal ein bisschen peinlich, und daher eher kontraproduktiv. Es ist ein wenig schade, denn man hätte die Modelle wesentlich pfiffiger vorstellen können.

Von dieser redaktionellen Schwäche abgesehen ist ein weiterer Kritikpunkt anzusprechen. Der Versuch, eine möglichst große Bandbreite an Geschmäckern zu bedienen, gerät dem Buch durchaus zum Nachteil. Die optische Qualität der Modelle ist sehr ungleichmäßig. Viele sind zwar als zeitgemäß und professionell zu bezeichnen, andere allerdings umgibt der Hauch des „das-sieht-aber-selbstgestrickt-aus“ in seiner schlechtesten Auslegung, und es ist zu befürchten, dass sie die Klischees und Vorurteile des amateurhaften Strickens bedienen. Möglicherweise sollen diese Modelle gerade jungen Strickerinnen zeigen, dass auch kindlich Aussehendes seinen Wert hat und sie sich ruhig zu stricken trauen sollen, auch wenn nicht alles sofort so aussieht wie gekauft. Ob dieser pädagogische Standpunkt sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden. Grundsätzlich hätte man viele andere Modelle wählen können, die sich genau so schnell und einfach stricken lassen, genau so viele unterschiedliche Vorlieben ansprechen, aber qualitativ konsistenter und einladender wären.

FAZIT
Dass das Buch nun im Herbst und somit kurz vor dem Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts erscheint, ist sicher kein Zufall. Der Titel ist allerdings irreführend: Mehr als eine Ideensammlung von schnell zu strickenden Projekten ist es ein Anfängerbuch, das sehr jungen Strickerinnen zeigen kann, wie vielseitig und einfach Stricken sein kann. Aus dieser Sicht kann es selbst junge Menschen zum Stricken motivieren, die vielleicht noch wenig Geduld aufbringen oder dazu neigen, ein Hobby schnell wieder aufzugeben, wenn sich der Erfolg nicht einstellt, und eignet sich zweifelsohne als erstes Geschenk zum Themenfeld „Strickliteratur“.

Danke an dieser Stelle an den BLV-Verlag für die Übersendung des Rezensionsexemplars.

Abbildungen in diesem Artikel mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Copyright: © Birgit Kaulfuß / BLV

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Es sind zu Beginn des neuen Jahres sehr viele Pröbchen angefordert worden, und die Karten waren mir ausgegangen. Nun ist die neue Reihe da und trägt den Titel “Beim Juwelier”. Verwendet habe ich zum größten Teil Bio Bamboo von Pascuali. Zwei Karten wurden mit einem letzten Rest Panarea von Lang gestrickt.
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Die gute alte Zeit

Der dritte Teil des bereits erwähnten großzügigen Garngeschenks ist nun in Arbeit. Es wird ein wie immer überdimensionierter Pullover werden – mit breitem und tiefem V-Ausschitt und sehr breiter Blende … und unzähligen Zöpfchen über 4 Maschen im Abstand von drei linken Maschen. Mit diesem Projekt hole ich mir in Farbe und Material ein wenig meiner Studienzeit zurück: Das Baumwoll-Merino-Gemisch verspricht ein schweres und kuscheliges Ergebnis. Ganz wie in der guten alten Zeit. Und auch wenn ich eher langsam vorankomme, weil berufliche Dinge im Moment im Vordergrund stehen, freue ich mich jetzt schon auf dieses Stückchen Nostalgie und Geborgenheit.

Die Farbe wird nur bedingt wiedergegeben. Es handelt sich um einen reizenden Korallenton.

NeuesProjekt

Zu den Mustern, die ich regelmäßig und besonders gern stricke, gehören Zöpfe. Hier meine fünf Gründe, Zöpfe zu lieben. Gern dürft Ihr Eure aufführen.

1. Zöpfe können ein Garn retten
Garne, mit denen sich in glattrechts oder mit einem Lochmuster kein vernünftiges Maschenbild erzielen läßt und die drohen, sich zu einem hoffnungslosen Fall zu entwickeln, können oft durch den Einsatz eines Zopfmusters zu einem akzeptablen Ergebnis überredet werden. Die Verkreuzungen gleichen Elastizitätsprobleme aus und lassen die Maschen gleichmäßiger und gefälliger erscheinen.

2. Zöpfe sind einfach und dennoch nicht langweilig
Wenn Stricken geistige Erholung sein soll, wenn man nicht nachdenken, aber das eintönige Einerlei von Glattrechts umgehen möchte, sind Zöpfe ideal. Sie erfordern gerade noch so viel Aufmerksamkeit, daß einem die Zeit nicht zu lang wird, ohne einen bereits müden Kopf anzustrengen. Sie sind zuletzt deshalb für Anfänger ein belohnendes Muster.

3. Zöpfe sind für alle da
Männer, Frauen, Kinder … Zöpfe sind geschlechts- und altersneutral. Außerdem sind sie figurunabhängig einsetzbar: Jeder kann das Zopfmuster finden, das zu ihm paßt, und Zöpfe können auch eingesetzt werden, um zu betonen oder zu kaschieren.

4. Zöpfe sind stilunabhängig und steuerbar
Über den Abstand zwischen zwei Zöpfen und die zwischen den Verkreuzungen festgelegte Reihenzahl lassen sich Strickstücke unterschiedlichsten Charakters erzielen. Je kleiner die Zöpfe sind und je geringer der Abstand zwischen ihnen ist, umso eleganter und aparter wirkt das Kleidungsstück - auch unabhängig von dem verwendeten Garn. Im selben Maße wirken Zöpfe in einem größeren Abstand umso lässiger, gestreckte Zöpfe ihrerseits eher konservativ, alltagstauglich und sportlich.

5. Zöpfe können in und aus jedem Material gestrickt werden
Materialdicke, -elastizität und -verzwirnung spielen bei Zöpfen keine Rolle. Sie gelingen mit einem Gartenbindfaden, einem Baumwollgarn, in Mohair, Bändchengarn und Geschenkbändern. Man kann Zöpfe sogar aus einem Materialmix stricken.

Ihr habt es sicher erraten. Das gerade angeschlagene Projekt, das ich in meinem nächsten Artikel vorstellen werde, hat mit Zöpfen zu tun. Mit vielen Zöpfen.
Zoepfe

Smaragd

Die smaragdfarbene Stola ist fertig. Es wurden 300 g Wollmeise doppelfädig in Nadelstärke 3,5 mm verstrickt. Mit 1,20 m Länge und 32 cm Breite wirkt sie sehr elegant, was gut zu diesem besonderen Garn paßt. Leider zeigen die Bilder die wunderschöne Farbe sehr unzureichend.
Danke, liebe H., für dieses kostbare Geschenk.
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Auf diesem Bild wird die Farbe am besten dargestellt.

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Fingerübung

So unternehmungslustig und entdeckungsfreudig ich in Bezug auf Muster und Maschentechniken bin, so feige bin ich auch, wenn es darum geht, neue Konstruktionen auszuprobieren. Und so kommt es, daß es drei Dinge gibt, an die ich mich in meinem Strickerleben noch nie gewagt habe.

Hier wären zunächst Socken zu nennen. Allerdings habe ich dafür einen guten Grund. Als ich begann, mich mit dem Stricken zu beschäftigen und dafür zu begeistern, weckte dies in vielen Menschen um mich herum - Nachbarn, Freunden, Verwandten - liebevolle Erinnerungen. Mit wehmütigem und zugleich stolzem Lächeln erzählten sie von ihren Strickjahren, die sie verklärt mit Anekdoten aus ihrer Jugend und der verlorengegangenen guten alten Zeit assoziierten. Diejenigen von ihnen, denen das Stricken besonders schöne und glückliche Stunden beschert hatte und die von gelungenen, immer noch unvergessenen Arbeiten zu berichten hatten, beendeten ihre Erzählungen fast einstimmig mit dem gleichen Satz: “Ich war damals so gut: Ich beherrschte sogar das Sockenstricken. Und sogar die richtig guten mit doppelter, verstärkter Ferse.” Ich weiß zwar nicht einmal genau, was es damit auf sich hat, aber in meinem Kopf setzte sich die Gleichung fest, daß nur die allerbesten Strickerinnen erfolgreich Socken stricken können - und ich versuchte es daher gar nicht erst, denn so gern ich auch stricke, ich bin nicht wirklich talentiert.

Ähnlich verhält es sich mit Babyschühchen. Ich habe mir immer gewünscht, welche verschenken zu können, wenn in meinem Umfeld wieder eine Geburt anstand, aber nie den Mut gehabt, das Projekt umzusetzen, weil es für mich eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten ist.
Das erste Problem scheint mir das Garn zu sein. Früher gab es spezielle Babygarne (in rosa, hellblau, weiß oder hellgelb) und man mußte sich keine Gedanken darüber machen, ob sie weich genug, frei von Schadstoffen und Allergenen oder dergleichen waren. Sie waren für die Babyhaut entwickelt und es bedurfte keinerlei Faserkunde, um eine Auswahl zu treffen. Auch die Nadelstärke war klar: 2,5 mm für Normalstricker, 3 mm für Feststricker - so paßten die Modelle aus Babyheften welcher Marke auch immer, die auf dem Markt zu finden waren, offenbar stets einwandfrei. Umrechnungen für eine Konstruktion, die man noch nie gestrickt hat (und vielleicht erst nach dem Stricken wirklich versteht) und mit einem womöglich unpassenden Garn vorzunehmen, ist mir zu unsicher. Andererseits fiel es mir nicht sehr schwer, mich damit abzufinden, denn junge Eltern stehen gestrickten Geschenken gegenüber heutzutage eher skeptisch gegenüber - sei es, weil sie die Überreichung eines selbstgemachten Präsents als Umgehung eines “echten”, da gekauften Geschenks betrachten, sei es, weil sie um die Hautgesundheit ihres Kleinen fürchten, wenn ihnen kein professionelles Etikett versichert, daß das Material geeignet ist.

Was ich bisher ebenfalls noch nie gestrickt hatte, war eine Mütze. Es ist nicht so, daß ich es unbedingt gewollt hätte, denn ich trage keine Mützen, ganz gleich, wie kalt es ist. Sie stehen mir nicht, ich mag sie nicht, sie stören mich, kurzum: Ich kann Mützen nicht ausstehen. Als letztes Jahr meine beste Freundin mit dem Wunsch zu mir kam, ich sollte ihr doch bitte passend zu dem Schal, den ich ihr drei Jahre zuvor geschenkt hatte, eine Mütze stricken, dachte ich zum ersten Mal ernsthaft darüber nach, mich daran zu versuchen. Die entsprechende Farbe war aber vergriffen und es erübrigte sich dann. Gleichzeitig ist es nicht zu leugnen, daß die Winter immer strenger werden, und mein Mann gelangte langsam aber sicher immer mehr zu der Meinung, er könnte so etwas auch gebrauchen. Da keine der im Handel angebotenen Mützen seine Zustimmung fand, lag der Vorschlag allzu nah, ich solle doch eine stricken.
Mir war nicht ganz klar, welche Garne am besten geeignet sein könnten, damit das gute Stück weder zu unelastisch wird noch zu schnell ausleiert, wie man die richtige Größe ermittelt oder wo der Kopfumfang auszumessen ist. Eine erste Suche auf Ravelry brachte mich auch nicht weiter: Zu unterschiedlich waren die verwendeten Materialien, Größen wurden meistens nicht angegeben. Hinzu kam, daß sich mein Mann nicht wirklich für einen Mützentyp entscheiden konnte. Das Projekt wurde also verschoben.
Bis der diesjährige Winter begann und das Thema meteorologisch wieder aktuell wurde. Nun hatte ich aber einen Anhaltspunkt, denn Tina, die nur geringfügig lockerer strickt als ich, hatte für einen Mandanten mit NS 3 mm ein wunderbares Teil gefertigt, daß meinem Mann zufällig und gottlob gefiel. Allerdings war ich noch immer unsicher, ob meine Fertigkeiten ausreichen würden, um etwas Brauchbares zu erzielen, und wollte auf gar keinen Fall Geld für Garn ausgeben, das vielleicht nur verschwendet wäre. Zwei Knäuel Record von Fischer-Wolle waren von einem Pullover und einem vor sehr langen Zeit angefertigten Schal übriggeblieben, und ich beschloß, zunächst mit ihnen zu üben. Und siehe da, es entstand zu meiner eigenen Überraschung tatsächlich eine Mütze … die auch noch paßt. Beim “Fotoshooting” hatte ich den Umschlag etwas ungleichmäßig gefaltet, was ich aber erst auf dem Bild bemerkte. Leider kann ich zur Zeit kein besseres Bild machen, denn die Mütze wird schon getragen …
So wurde aus dem, was nur eine Fingerübung aus Wollresten sein sollte, meine erste Mütze - für nicht einmal 3,- €. Es bleibt abzuwarten, wie sie Winter und Waschgänge übersteht, aber zumindest weiß ich jetzt, daß ich es grundsätzlich kann. Etwas werde ich in Zukunft aber ändern: Ich hatte kein Nadelspiel in der erforderlichen Nadelstärke und habe mit einer Rundstricknadel gearbeitet, was ich ganz sicher nie wieder tun werde … Auf den Geschmack bin ich auf jeden Fall gekommen und nach einer kleinen Investition in ein Nadelspiel wird es nächstes Jahr sicher eine neue und schönere Mütze geben.
Erste Muetze

Ein inspirierendes Geschenk

Von meinen Strickanfängen abgesehen, hatte ich bis vor anderthalb Jahren nie Garngeschenke bekommen. In diesem Jahr jedoch waren es gleich drei liebe Menschen, die mich mit Strängen und Knäueln überraschten. Gesundheitliche Probleme und Sorgen und Verpflichtungen verschiedener Art nahmen mich in den letzten Monaten sehr in Anspruch, und so komme ich leider erst jetzt dazu, diese Geschenke und die Strickstücke, die nach und nach daraus entstehen, vorzustellen. Eines davon war Joan 1, das ich vor kurzem gezeigt habe, nun folgt ein Traum in Smaragd - und damit eine Premiere der besonderen Art, denn ich verstricke zur Zeit “meine erste Wollmeise”. Ich bekam diese 300 g in einem wunderschönen, intensiven und schimmernden Grünton namens Aquarius, und sie verwandeln sich Reihe um Reihe, doppelfädig verarbeitet, in eine - so hoffe ich zumindest - elegante Winterstola. Das Muster stammt übrigens – sozusagen standesgemäß – aus der alten deutschen Lochmustern. Liebe H., DANKE für dieses kostbare Geschenk.
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Köstlich …

Eine köstliche Diskussion wurde in der Süddeutschen Zeitung und auf Tichiro entfacht. Lesen, schmunzeln, genießen, teilnehmen …

November. Blei, Kohle, Kobalt, Schlamm und Schichten von schmutzigem Weiß bestimmen den Himmel. Erst am Abend, wenn der Tag sich verabschiedet, leuchten am Horizont blasse Schleier von Orange.
Diese Stimmung habe ich versucht, hier für Euch einzufangen. Die Reihe umfaßt nur 10 Karten – ich bin zur Zeit leider sehr beschäftigt …
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Joan 1

Ursprünglich war ein Kapuzenschal geplant – kurzfristig wurde Joan 1 ein Schulterwärmer, der mir bereits gute Dienste am Schreibtisch leistet. Verstrickt habe ich 5 Knäuel Nomotta von Schachenmayr. Und da noch 5 übrig sind, wird eine Zwillingsschwester von Joan 1 entstehen.
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Es weihnachtet im StrickLoft – zumindest was die Grußkarten betrifft. Ich hatte das Glück, wieder zwei Knäuel Panarea von Lang in der Farbe 062 zu bekommen, und kann also heute die ersten Teile der zweiten (und letzten) Grußkarten-Reihe zum Thema Limoger Emaillekunst vorstellen. Einige Sätze dieser Karten werde ich in den kommenden Wochen Tichiro-Tina als Beitrag zu ihrer alljährlichen Verlosungs- und Spendenaktion zukommen lassen. Hier die bisher fertig gewordenen Karten also.
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Programmänderung: Joan 1

Meine Herbstwolken entwickeln sich nicht wie erhofft, und ich habe beschlossen zu ribbeln und wieder von vorn anzufangen, allerdings erst nach einer Pause. Das Projekt ist in meinem Kopf zu festgefahren, und ich brauche Abstand, bevor ich entscheide, wie es mit ihm weitergeht.
So habe ich etwas ganz Neues gestartet, mit einem ganz anderen Garn aus demselben Geschenkpaket. Es ist ein Accessoire, das ich in meiner Garderobe schon immer vermisst habe: Ein Schlauchschal, den man auch als “Kapuze” verwenden kann. Ganz schlicht in Krauslinks wird er nun aus Nomotta von Schachenmayr gestrickt.Joan-1

Neulich bemängelte Heike Wollball in einem Artikel zu ihrem Newbiggin Triangles-Pullover das in der Blogwelt mittlerweile chronisch gewordene Kokettieren mit dem Begriff des “Brettstrickens” und bestätigte damit einen Eindruck, der sich auch mir unangenehm aufgedrängt hatte: Offenbar ist es heutzutage schick geworden, sich als Feststricker zu profilieren – wobei Selbst- und Fremdeinschätzung weit auseinanderliegen können. Ich war über diese Bemerkung von Frau Wollball sehr froh und dankbar, denn sie entsprach ganz und gar meinen Beobachtungen und derzeitigen Überlegungen – und auch ich bin diesbezüglich manchmal etwas genervt - : Wieso ist es so wichtig geworden, als Feststricker zu gelten? Und was ist eigentlich ein Feststricker? Läßt sich der Begriff objektiv definieren?

Die erste Frage ist am einfachsten zu beantworten.
Zum einen hat die Verzerrung von Maschenprobenangaben auf den Banderolen großer – zumindest, was die Verkaufszahlen angeht – Marken dazu geführt, daß viele Strickerinnen einfach nicht mehr wissen, wie sie das eigene Strickverhalten bewerten sollen und diese marketingklugen aber unrealistischen Daten als Maßstab unreflektiert übernehmen. Aus dieser wahnwitzigen Erwartung heraus ergibt sich das Bild, das im Grunde fast jeder “zu fest” strickt.
Ein weiterer Grund für den aufgekommenen Wunsch, sich als Feststricker bezeichnen zu “dürfen”, liegt in der Struktur der Blogwelten. Blogs schaffen Vorbilder und Fangemeinden, die nach dem Muster eines kleinen Hofstaats funktionieren: Bewußt oder unbewußt (mit psychologisch-soziologischen Untersuchungen dieser Art ließen sich ganze Bibliotheken füllen) ergibt sich über kurz oder lang der Wille, dem Beispiel des “Königs” zu folgen oder zumindest nahezukommen: Vielgelesene Blogs – etwa auf den großen Plattformen wie Blogger oder Blogspot, die eine besonders virale Verbreitung ermöglichen, haben nun einmal und ganz unabhängig von der intellektuellen Zusammensetzung ihrer Leserschaft eine erstaunliche meinungsbildende Macht (meistens ganz ohne ihr Zutun und sogar nicht immer freiwillig), die neue Vorstellungen von Erstrebenswertem begründen, auch wenn dies auf der rein textuellen Ebene nie in dieser Form angesprochen wird. Nun, der Mensch ist ja auch nur ein Schaf (mögen wir vielleicht deshalb Wolle so gern?) und möchte nur allzu oft vor allem das, was der “Leithammel” vorlebt. Dies ist eine anthropologisch ganz natürliche Reaktion, die zu allen Zeiten und in allen Gesellschafts- und Kulturformen zu beobachten ist, auch wenn jeder von uns doch schwört, er würde sich als aufgeklärter, mündiger, gebildeter und gefestigter Erwachsener niiiiiiiiemals auf diese Weise beeinflussen lassen.
Schließlich spielt die psychologische Dimension eine Rolle. Aus welchen Gründen auch immer wird das Feststricken mit positiv belegten Charaktereigenschaften assoziiert: Wer feststrickt, soll ordentlich, sorgfältig, seriös und gewissenhaft sein. Natürlich ist diese Verbindung eher in die Kategorie “sind alle Menschen mit Sternzeichen Jungfrau pingelig und alle mit Sternzeichen Wassermann kreativ?” einzuordnen, aber solche Vorurteile halten sich nun einmal hartnäckig und machen das Feststricken offenbar attraktiv.
Diese drei Aspekte sind aus zeitgeschichtlicher Sicht nicht uninteressant: Als ich stricken lernte und auch noch in den 80er Jahren, war das Feststricken genau so ein “Makel” wie das Lockerstricken. Es galt, diese schlechte Angewohnheit loszuwerden, die nur bei blutigen Anfängern einigermaßen entschuldigt wurde. Hier haben sich die Werte also deutlich verschoben, was ein aufschlußreiches Bild dessen vermittelt, was in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen oder verloren hat.

Angesichts der Affektiertheit der “Hach-ich-stricke-ja-sooo-fest”-Attitüde, die ich in Verdacht habe, vor allem auf positive Verstärkung zum Wohle des Selbstwertgefühls zu warten, bleibt herauszufinden, ob und wie der Begriff “Feststricken” definiert werden könnte.

Beginnen wir damit, wie er nicht definiert werden kann.
Feststricken läßt sich heutzutage nicht mehr quantifizieren. Ein Vergleich der eigenen Maschenprobe mit Banderolenangaben ist aus den genannten Gründen sinn- und nutzlos geworden, so daß absolute objektive Daten als Grundlage fehlen. Ebenso unzutreffend ist es aber – und hier muß ich Tichiro-Tina entschieden widersprechen -, ein Nadelstärken/Maschenzahl-Verhältnis oder ein Lauflänge/Maschenzahl-Verhältnis als Bezugspunkt nehmen zu wollen. Diese Rechnung ginge im ersten Fall nur dann auf, wenn wir alle immer mit einem ganz bestimmten Garn arbeiten würden. Selbst zwei Merino-Garne gleicher Lauflänge können sich bei gleicher Nadelstärke ganz unterschiedlich verhalten, je nachdem ob ihre Verzwirnung eng-flach oder luftig-rund ausfällt. Ebenso erzielt ein Cablé-Baumwollgarn niemals dieselbe Maschenzahl wie ein Mohair-Garn gleicher Lauflänge, auch wenn sie mit genau demselben Nadelpaar verarbeitet werden. Zu sagen, daß man bei NS 3 mm immer XY Maschen/10 cm erzielt, ist also gar nicht möglich und schwachsinnig.
Feststricken läßt sich aber sehr wohl anhand von symptomatischen Verhaltensmustern definieren, die zugleich auch eine Unterteilung unter den Feststrickern zeigen.
1. Feststricker aus Veranlagung – der echte Feststricker
Der Feststricker aus Veranlagung ist der einzig echte Feststricker und meistens möchte er kein Feststricker sein. Bei ihm ist die Fadenspannung sehr hoch und bleibt unabhängig von Garn und Nadelstärke immer zu hoch. Der Feststricker aus Veranlagung kann nur mit Metallnadeln arbeiten, Bambus- und Plastiknadeln bleiben ein schöner Traum, denn selbst bei einem 150 m/50 g-Garn und NS 4 mm kleben bei jedem anderen Material die Maschen an den Nadeln und lassen sich nicht mehr bewegen. Rundstricknadeln zu verwenden, ist für ihn unbequem bis unmöglich, weil die Maschen nur schwer vom Seil auf die Spitze gleiten, das Zusammenstricken von 3 Maschen auf einmal ist schwierig und schmerzhaft bis unmöglich. Er hat also alles versucht, aber er kann es eben nicht besser.
2. Der Feststricker aus Überzeugung – der rationale Feststricker
Der Feststricker aus Überzeugung strickt eigentlich normal fest, aber er liebt festes und unelastisches Gestrick und wählt Nadelstärke und Fadenspannung dementsprechend, was ihm nicht zuletzt seine guten technischen Strickfertigkeiten und seine Vielseitigkeit ermöglichen.
3. Der Feststricker aus Not – der mogelnde Feststricker
Der Feststricker aus Not kann zwei Motivationen haben, und beide haben mit Mogeln zu tun. Entweder er strickt nicht besonders gut und gleichmäßig und korrigiert die Unzulänglichkeiten seines Maschenbilds durch eine kleinere Nadelstärke, so daß sein Gestrick zwar zu fest, dafür aber schöner wird, oder aber er hat ein Garn gekauft, mit dem sich kein ebenmäßiges Maschenbild erzielen läßt, und geht so lange mit der Nadelstärke herunter, bis er zufrieden ist - auch wenn dies bedeutet, daß das Ergebnis deutlich fester wird, als er es eigentlich gerne hätte.
4. Der Feststricker aus mimetischem Antrieb – der falsche Feststricker
Heike Wollball hat in ihrem Artikel genau den richtigen Punkt getroffen. Viele, die von sich behaupten, sie seien “Brettstricker”, sind es nicht im Geringsten. Ich las vor einiger Zeit - ich weiß leider nicht mehr, in welchem Blog - einen hierfür typischen Kommentar einer Leserin, die offensichtlich in den Augen der Strickgemeinde unbedingt “dazugehören” wollte und meinte, sie sei eine Feststrickerin, denn sie würde immer nur mit NS 2,5 mm oder kleiner stricken. Daß sie vielleicht ausschließlich dünne Garne verarbeitet oder schlichtweg im Gegenteil so locker strickt, daß sie nur mit kleineren Nadelstärken als der Durchschnitt zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt, schien in ihren Überlegungen keine Rolle zu spielen.

Ein wenig mehr Objektivität in der Strickblogwelt wäre sehr schön, Heike hat vollkommen recht. Um den Anfang zu machen: Ich bin zwar Feststrickerin aus Veranlagung und kann weder mit Bambus- oder Rundstricknadeln stricken, aber ich bin auch durchaus eine Moglerin, denn mein Maschenbild ist nicht gut genug, um feine Garne bei größeren Nadelstärken zu verarbeiten. Und so bleibe ich nicht ganz freiwillig das, was die Natur aus mir gemacht hat.

Einfach so zum Spaß: hier eine kleine Umfrage für Euch. Ganz anonym, Ihr müsst nur klicken. Bis zu 3 Antworten sind möglich.

Feststricker
Welcher Feststricker seid Ihr?
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Neue Grußkarten-Reihe

Es hat länger gedauert, als ich es beabsichtigt hatte, aber nun sind die nächsten Grußkarten endlich fertig. Der Titel dieser Reihe lautet: Mauern und Wände. Es ging mir darum, Strukturen aus Kalkstein, Beton, Schiefer, Marmor, Granit, Putz wiederzugeben, wie wir sie jeden Tag in unserer Nähe sehen. Die Vorgehensweise ist ähnlich wie bei der ersten Reihe. Verwendet habe ich diesmal Bierpapiere von Gmund, alte Leinwandreste, getöntes Packpapier, und uralte – sie stammen aus dem Anfang der 90er Jahre! – Reste der Papiere Salz, Pfeffer und Stein der Fa. Paper Direct, die mittlerweile keine deutsche Niederlassung mehr hat. Neben zwei kleinen Garnresten aus derselben Zeit, von denen ich nicht einmal mehr die Namen weiß und die ich schon in der Loft-Musterreihe gezeigt hatte, wurden die Garne Cotton Jeans von Rowan (ein Drittel Knäuel war noch von diesem Schal übrig, jetzt also etwa ein Viertel Knäuel), Linda von Wollbutt, Cool Wool Big Melange von Lana Grossa und Linea Pura Organico Print ebenfalls von Lana Grossa verstrickt.

Meine Leserin Karin hatte angeregt, ich solle doch diese Karten verkaufen. Ich gebe zu, ich würde es gerne tun – es ist nur eine Frage der Logistik (mir fehlt der Platz für Verpackungsvorräte in ausreichenden Mengen und ausreichend unterschiedlichen Größen) und der Verpackungs- und Portokosten für die eventuellen Käufer: Sie würden die Karten so verteuern, daß sie vermutlich niemand mehr kaufen würde … Also denke ich weiter darüber nach.

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Kleidung und Wohnaccessoires bieten uns eine fast unendliche Anzahl an spannenden Strickprojekten. Doch ist mit Strick noch viel mehr möglich. Grußkarten etwa sind in vielfacher Hinsicht eine interessante Idee. Sie können einem selbstgestrickten Geschenk beiliegen, können dazu verwendet werden, einer strickbegeisterten Freundin zum Geburtstag zu gratulieren oder gute Besserung zu wünschen. Im Handarbeitsunterricht können sie zum Muttertag angefertigt werden, oder im Rahmen eines Schulbasars für eine Wohltätigkeitsaktion verkauft werden. Außerdem können Wollgeschäfte auf diese Weise neue oder ungewöhnliche Garne preiswert und attraktiv vorstellen.

Es gibt viele Wege, Strickgrußkarten zu gestalten. Wer zum Beispiel gerne mit filigranen Garnen arbeitet, kann eine Passepartout-Karte mit einem schönen Lace-Muster in ein kleines Meisterwerk verwandeln – so wie wir es ja von Stickereien kennen. Ist ein eher nicht ganz so traditioneller Stil gewünscht, kann aber auch auf andere Techniken zurückgegriffen werden. In den kommenden Wochen und Monaten möchte ich hier einige Anregungen und Tips zu diesem Thema geben – von abstrakt bis gegenständlich, von glamourös bis verspielt.

Die erste Reihe, die ich heute zeige, trägt den Titel “Limoger Emaillekunst“.
Für den Kartenhintergrund habe ich zunächst eine Maschenprobe einer weißen Wolle fotografiert und das Bild mit IrfanView und Paint.Net mit verschiedenen Funktionen (Helligkeit, Kontrast, Ölgemäldefilter) so lange verfremdet, bis ich die gewünschte Wirkung erzielt hatte. Das Bild darf schließlich nicht zu dominant sein. Teure Bildbearbeitungsprogramme sind hier nicht notwendig, Freeware-Versionen genügen völlig.
Als Material wählte ich das Aquarellpapier Gerstaecker Block No. 3: Es ist stabil genug, kann aber auch mit einem ganz normalen durchschnittlichen und nicht einmal besonders guten Inkjet-Drucker bedruckt werden und läßt sich perfekt falzen. Der hier gewählte Karton sollte nämlich eine ausreichende Grammatur haben, damit das Gewicht des Strickstücks ausgeglichen wird. Wer die Karte nicht mit Kugelschreiber, sondern mit Füller beschreiben möchte, sollte zusätzlich ein A5-Blatt eines normalen Briefpapiers als Einleger einplanen.
Ergänzende Papiere sind Maulbeerpapier, Bananenpapier, Seidenpapier und verschiedene Naturpapiere der Firma Gmund, von denen es im TextLoft immer Vorräte gibt.
Um dem Thema den erforderlichen Glanz zu verleihen, entschied ich mich für Panarea von Lang in der Farbe 062. Es ist ein glänzendes Effektbändchengarn, das ich vor Jahren gekauft hatte, um es mit einem schwarzen Angora zu verbinden, und von dem seinerzeit ein dreiviertel Knäuel übrigblieb. Kleine Mengenangabe an dieser Stelle: Aus einem Knäuel lassen sich etwa fünfzehn Karten herstellen. Grundsätzlich kann sich jeder etwas glänzende Bändchengarnrest eignen – für eine “Emaille”-Optik sollte es aber einen dezenten Farbverlauf aufweisen. Wichtig ist natürlich, daß Garn- und Papierfarben sich nicht beißen.
Zum Schluß noch ein Rat: Papiere und gestrickte Stückchen sollten mit doppelseitigem Klebeband und nicht mit Klebstoff befestigt werden: Einige Klebstoffe können selbst in kleinsten Mengen die Garnfarbe oder die Farbe besonders empfindlicher Papiere verändern.
Hier also das Ergebnis, Kartenformat B6:

















INFO: Limoger Emaille ist eine auf das Mittelalter zurückgehende Kunst, wobei die Emaillepigmente ausschließlich auf Kupfer aufgetragen werden, so daß ein besonders schillernder Glanz erzielt wird. Während bis zu Beginn der 1980er Jahre eher traditionelle Motive von den Kunsthandwerkern ausgeführt wurden, entwickelte sich diese Technik danach weiter und gibt heute, ähnlich wie die moderne Lackkunst, insbesondere abstrakten Farbführungen Raum.

NACHTRAG am 9. November 2013: Leserin Manuela hat sich inspirieren lassen und selbst Karten gestaltet: HIER könnt Ihr sie entdecken.

Zwei Beiträge auf Tinas Blog haben kürzlich zu einer langen Debatte geführt, die neben dem Vergleich zwischen konservativ-amerikanischem Geschmack und saisonbezogenen deutschen Kioskzeitschriften-Modellen die Gegenüberstellung von kunstfaserhaltigen und kunstfaserfreien Garnen zum Thema hatte. Es war nicht das erste Mal, daß sich eine solche Polemik entwickelte, und Tichiro ist bei weitem nicht das einzige Blog, das sie aufgreift.
Das Schema ist stets das gleiche: Auf einem rhetorisch ziemlich hohen Roß sitzen die Verfechterinnen reiner Naturgarne, die offenbar Wahrheit, Weisheit und guten Geschmack gepachtet haben, und wer auf der anderen Seite Misch- oder Kunstfasergarne verstrickt, steht vor der Wahl, es tunlichst zu verschweigen, sich dafür begründet zu entschuldigen oder aber zu betonen, wie klein der Kunstfaseranteil doch sei. Diese Paarung ist mittlerweile eingeübt: Verächtlicher Snobismus gegen schlechtes Gewissen und Minderwertigkeitsgefühle.

Interessant ist die Tatsache, daß diese Diskussion eine rein deutsche Angelegenheit zu sein scheint. Zumindest ist sie mir bisher nur in deutschsprachigen Blogs begegnet. In anderen Ländern scheint es eher so zu sein, daß jeder einfach strickt, was er mag, ohne daß gleich ein Glaubensbekenntnis oder eine Imagepositionierung daraus werden muß. Dem eigenen Geschmack oder der Farbauswahl scheint andernorts eine wesentlich größere Rolle beizukommen als die Zusammensetzung des Strickmaterials, die meistens nicht einmal sonderlich thematisiert wird. Ich befinde mich in der erfreulichen Lage, genau in der Mitte zwischen beiden Lagern, zwischen hohem Roß und Mauseloch zu stehen. Ich bevorzuge Garne mit hohem Naturfaseranteil, weil sie meiner Haut besser bekommen, aber ich entschuldige mich auch nicht dafür, daß ich schon einmal Garne aus 50 % Kunstfasern verstrickt habe. Ich verstehe also beide Seiten und möchte deshalb hiermit für etwas werben: mehr Stricktoleranz.

In der Tat finde ich es bedauerlich, daß das, was eigentlich für alle schöne und entspannende Freizeitbeschäftigung sein sollte, offenbar immer mehr zu einem sozialen Spannungsfeld wird. Naturgarne sind zweifellos schöner und angenehmer auf der Haut. Aber sie sind nicht nur in der Anschaffung oft teurer, sie sind auch nicht so haltbar. Es müssen also mehr Pullover gestrickt werden, denn jeder einzelne kann nicht so häufig und nicht so lange getragen werden. Und das muß man sich leisten können – genauso wie die hach! so tolle Waschmaschine, mit der auch die luxuriösen Materialien schadenfrei sauber werden, nicht für jeden erschwinglich ist. Was sollen die Menschen tun, die die entsprechenden finanziellen Mittel schlichtweg nicht haben? Sind sie Stricker zweiter Klasse, die kein Recht auf ihr Hobby haben? Sollen sie aufs Stricken verzichten, weil das, was sie tun, per se und trotz aller individuellen technischen Fertigkeiten und Kreativität nicht ernst zu nehmen sein kann, wenn sie nicht mit den “richtigen” Garnen arbeiten? Sicher, das hat keiner gesagt. Trotzdem ärgert mich dieser “Na-ja-solche-muß-es-auch-geben-aber-mit-uns-haben-sie-ja-nicht-wirklich-was-zu-tun”-Unterton, der in vielen Kommentaren mitschwingt – mal verhohlen, mal spöttisch offen. Der Ton macht eben die Musik.
Ich staune auch darüber, daß es gerade die Strickerinnen sind, die sich so weltoffen geben, und die unbegrenzten Möglichkeiten, die das Internet bietet, preisen und zu nutzen behaupten, die nicht in der Lage sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen. In Spanien, Italien, Frankreich und Portugal stricken eingefleischte und begabte Strickerinnen nach wie vor (mitunter, weil der amerikanische Garnmarkt auch aus sprachlichen Gründen wenig Beachtung findet, auch wenn wir uns das hier in Deutschland in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts nicht immer vorstellen können und wollen) mit einheimischen Garnen, die eben oft einen sehr hohen Kunstfaseranteil aufweisen – und niemand muß sich dort deswegen schlecht fühlen oder wird deshalb heruntergeputzt. Wichtiger ist die Qualität des Maschenbilds, die in den Blogs sehr ausführlich kommentiert wird. Wir sollten uns weniger über unsere Garne als über unsere Stricktechnik, unsere Nähte, Abnahmen, Bündchen u.ä. profilieren wollen. Denn ein ausreichend gefülltes Bankkonto macht noch lange keine gute Strickerin. Mir tun manchmal die schönen Garne leid, die gekauft werden, weil sie irgendwelche willkürlich aufgestellten Qualitätsansprüche befriedigen sollen und am Ende nichts an dem unebenmäßigen Ergebnis ändern können, für das sie verschwendet werden.

Wie lächerlich dieser Garnsnobismus ist, zeigte sich vor ein paar Monaten: Obwohl die “Damen auf dem hohen Roß” immer wieder betonen, ein Modell würde nie so schön und würde nie so gut fallen, wenn es aus “Polytier”-Garn gestrickt sei, und man erkenne es auch sofort, haben Leserinnen bei Tina massenweise die Hefte von Bergère de France bestellt, als dies möglich wurde. Es hieß, die Modelle seien besonders originell und geschmackvoll. Ironischerweise bestehen die Garne, aus denen sie entwickelt wurden, aus Mischfasern mit einem sehr hohen “Plastik”-Anteil. Eine kleine Lektion für Garngutmenschen?
Wie dem auch sei. Es ist schon schlimm genug, daß die Wahl eines Strickmaterials nicht mehr eine Geschmacksfrage, sondern eine Glaubensfrage geworden ist. Wir sollten nicht zulassen, daß sie auch noch zu einem sozialen Politikum wird. Nicht zuletzt wirft es ein schlechtes Bild auf die Art von Menschen, die dieses Hobby betreiben, und könnte potentiellen Nachwuchs durchaus abschrecken. Wollen wir, daß Jugendliche, die sich keine so schönen Garne leisten können, der Meinung sind, sie müßten mit dem Stricken gar nicht erst anfangen, denn das, was sie machen, sei nur “nicht ernstzunehmendes Zeug”? Ist es denn das, was wir mit unseren Strickblogs beabsichtigen?

Natur ist nicht genormt. Gerade ihre Vielfalt, die Einzigartigkeit ihrer Bestandteile, ihre Unaustauschbarkeit machen ihre Schönheit, ihren Charme und ihre Faszination aus. Kein Baum gleicht dem anderen, keine Wolke ist mit der nächsten identisch, und auch industriell gefertigte Produkte, die aus der Natur stammen, erhalten so einen eigenen und unverwechselbaren Charakter. Holz, Leder, Stein tragen in unsere Welt hinein die unterschiedlichsten Spuren ihrer Entstehung und zeugen durch Narben, Maserung und Risse von der Unendlichkeit an möglichen Kombinationen, die das Leben erschafft. Die Natur produziert nämlich nur Unikate. Und Unikate sind kostbar. Wir Menschen wissen das und so sind wir gerne bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Für uns Strickerinnen gilt das ganz besonders, denn neben der Einmaligkeit optischer Merkmale bedeutet Natur nicht zuletzt Tragekomfort, Wohlbefinden, Harmonie und Gleichgewicht – das Versprechen einer höheren Lebensqualität.
Mit ähnlichen Kategorien assoziieren wir im allgemeinen den Begriff “Handwerk”, mit dem wir sorgfältigeres Arbeiten, mehr Originalität, bessere Materialwahl und höheren Anspruch verbinden, als Fließbandfertigung sie zu bieten vermag.

Ich gebe zu, daß ich zu denjenigen gehöre, die einem schönen Unkraut, einem verwitterten Blumentopf oder einer roh belassenen Tischplatte mehr abgewinnen können als einem akkurat geschnittenen Buchsbaum, einem makellos glasierten Kübel oder einer überirdisch polierten Edelstahlfläche – und auch wenn ich es zu Hause kompromißlos ordentlich und staubfrei mag, sehe ich keinen Widerspruch darin, jede kleine “Unvollkommenheit” einer natürlichen Struktur in all ihrer Schönheit zu genießen. Natur und Handwerk sind auch Sinnlichkeit.

Natürlich haben wir bei allen Assoziationen in unserem Unterbewußtsein unsere Gütesiegeljungfräulichkeit längst verloren. Wir sind nicht mehr so naiv zu glauben, daß hinter jedem Bio-Etikett tatsächlich auch Lebensmittel stehen, die diese Bezeichnung verdienen. Der gesunde Menschenverstand ist hier ein guter Ratgeber: Wer durch den Supermarkt schlendert, kann nicht umhin, zu verstehen, daß die Menge der so ausgewiesenen Produkte schon rein rechnerisch in keinerlei Zusammenhang mit den hierfür bestenfalls zur Verfügung stehenden Anbau- und Aufzuchtflächen stehen kann, und die wirklich erschwinglichen Preise mit Subventionen allein zu erklären ist reichlich blauäugig.
Genauso ist uns klar, daß “Natur” und “Handwerk” zuweilen dehnbare Begriffe sein können. Aufgeklärt, wie wir sind, erwarten wir weniger, daß Garne mit diesem Prädikat wirklich handgefertigt und ausschließlich naturgetreu bearbeitet werden, als daß sie gewissen Qualitätsansprüchen entsprechen.
Daß naturgefärbte Garne etwa von Farbbad zu Farbbad höheren Schwankungen unterliegen, als es in der industriellen Produktion der Fall wäre, betrachte ich als normal. Ebenso kann ein handgesponnenes Garn sicher Unregelmäßigkeiten aufweisen. Das gehört dazu, und wer das nicht möchte, kann auf schwankungsärmere Massenartikel zurückgreifen.

Problematisch wird es aus meiner Sicht aber, wenn Begriffe wie “Natur” und “Handwerk”, die wir mit gehobener Fertigung verbinden, nicht etwa dafür verwendet werden, Eigenarten in Optik und Beschaffenheit berechtigterweise zu erklären und zu begründen, sondern echte und dauerhafte Mängel zu vertuschen und schönzureden.

Einen Aufreger dieser Art bescherte mir letzte Woche die Firma Malabrigo .

Malabrigo positioniert sich als Hersteller handgefärbter Garne im gehobeneren Segment. Fairerweise klären sowohl die Homepage als auch die Beschreibungen bei den verschiedenen Online-Anbietern darüber auf, daß zwischen den einzelnen Farbbädern aufgrund der handwerklichen Herstellung größere Abweichungen eingerechnet werden sollten.
Ich sah darin keine Probleme. Ich bestellte Arroyo in der Farbe “Chispas”. Alle Darstellungen, die ich finden konnte, schienen sich einig zu sein: Die Grundfarben von “Chispas” seien grau und rosa.
Worauf war ich also gefaßt?
Ich erwartete nicht, daß das Garn genau so aussah wie auf den Musterbildern. Ich stellte mir vor, daß das Grau je nach Bad heller (vielleicht fast weiß) oder dunkler (etwa anthrazit) sein konnte. Das Rosa könnte von Aprikot über Pink bis fast Lila schwanken. Das alles wäre absolut in Ordnung gewesen. Ebenso erwartete ich nicht, daß die Verteilung von Grau und Rosa, die auf den Abbildungen sehr ausgeglichen war, unbedingt so gegeben sein würde. Mir war klar, daß einige Stränge vielleicht nur sehr wenig Rosa und andere sehr wenig Grau haben könnten. Auch kein Problem.
Auf das, was ich bekam, war ich nicht vorbereitet: “Mein” “Chispas” ist weder grau noch rosa, es ist eine Mischung aus Schokobraun und Pflaume. Das ist mit Verlaub weder naturbedingt noch handwerklich gegeben – es ist eine Frechheit.
Malabrigo ist trotz der gekonnten Positionierung nicht gerade ein Miniunternehmen und beansprucht für sich in Image und hergestellten Stückzahlen eine gewisse Professionalität. Nicht in der Lage zu sein, Farben auch nur annähernd einzuhalten und zu reproduzieren, hat nichts mit handwerklichem Schicksal zu tun und ist in diesem Ausmaß mit natürlichen Verfahren nicht mehr zu entschuldigen. “Handwerk” und “Natur” werden hier als Ausrede für unzureichendes Herstellunsmanagement oder schlichten Unwillen mißbraucht und bieten einen allzu bequemen Ausweg aus dem Reklamationssystem, dem ein jeder Hersteller unterliegt

Dies ist leider keine Ausnahme. Immer häufiger werden Mängel (zum Beispiel übermäßiges Abfärben, ständiges Abreißen des Fadens u.ä. – beides wiederholt bei Debbie Bliss-Garnen erlebt) als unvermeidlich, da handwerklich normal, hingestellt. Daß Qualitätsmerkmale zur Ausrede verkommen, ist einfach nur traurig und schadet zudem den wirklich handwerklich arbeitenden Unternehmen, die sich bald dem grundsätzlichen und unausgesprochenen Vorwurf ausgesetzt sehen könnten, man solle von “Handwerk” lieber die Finger lassen, es sei mit “amateurhaft”, “überteuert” und “schlecht gemacht” gleichzusetzen.

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